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Essen und Klima

22.04.2021

Die Planetary Health Diet


Spätestens seit „fridays for future“ sind der Klimawandel und seine Auswirkungen als das dringendste Anliegen unserer Zeit in unser Bewusstsein gerückt.

Dabei denken die Meisten von uns erst einmal an Energie und Mobilität, an Windkraft, E-Autos, Flugreisen und Kreuzfahrtschiffe.

Was aber genauso viele Treibhausemissionen verursacht wie der gesamte Verkehrssektor, also alle Kraftfahrzeuge, Schiffe , Züge und Flugzeuge zusammen, ist die Tierhaltung, nämlich ca. 14,5 % der globalen Emissionen. Hier ist vor allem die Massentierhaltung ein entscheidender Faktor. Während man in allen anderen Wirtschaftszweigen Konzepte zur Verringerung der Treibhausgase erarbeitet, steigen diese bei der Tierhaltung diese sogar an.


In Deutschland isst jeder Mensch im Schnitt 60 kg Fleisch pro Jahr. Im Vergleich zu den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts hat sich der Konsum damit mehr als verdoppelt. Und er steigt weltweit weiter an, besonders in den asiatischen Ländern, wo Fleischkonsum mit Luxus und modernem Lifestyle assoziiert wird.

Umweltschädlich ist dabei vor allem die Erzeugung von Rindfleisch.

Ein Kilo davon erzeugt 14 bis 16 kg Co2- Äquivalente (Maßeinheit zur Vereinheitlichung der verschiedenen Treibhausgase),

Käse 8,5 kg, Eier 2 kg und Butter ganze 25 kg.

Frisches Gemüse erzeugt dagegen nur 140 - 150 g CO2-Äquivalent pro Kilo. Vegetarier sparen so gegenüber Fleischessern ca. 200 kg CO2 pro Jahr und Veganer sogar 450 kg.

Pflanzliche Kost verursacht also erheblich weniger Klimagase und ist zudem auch noch ca. 20% günstiger.


Insgesamt werden 80% der gesamten landwirtschaftlichen Fläche für Tierhaltung und Futterproduktion genutzt. Allein für den Anbau von  Soja, das zu 90% als Tierfutter genutzt wird, wird eine Fläche drei mal so groß wie Deutschland gebraucht, 98% des Soja ist dabei gentechnisch verändert. Beim Anbau werden viele, zum Teil in Deutschland verbotene Herbizide benutzt, was für die Umwelt und die biologische Vielfalt katastrophal ist. Denn dabei sterben alle Pflanzen und kleinen Tiere die damit besprüht werden, außer dem gentechnisch veränderten Soja. Viele der Anbauflächen entstehen zudem durch illegale Abholzung oder Brände, wobei Millionen von Wildtiere sterben und nicht selten Indigene vertrieben werden. Der Anbau von Tierfutter ist sogar die Hauptursache für die Regenwaldabholzung, und dieser wird als CO2-Speicher dringend gebraucht.

Im Jahr 2018 hat Deutschland allein 6 Mio. Tonnen Soja importiert, vorwiegend aus den USA und Brasilien. Von dort wird auch besonders billiges und daher beliebtes Rindfleisch importiert und unsere einheimischen Landwirte haben das Nachsehen.

Von dem Soja, dass eine Kuh am Tag als Futter benötigt, könnten 20 Menschen am Tag satt werden.´

Darüber hinaus werden auch noch 40% des Fischfangs und 50% des Getreideproduktion für Tierfutter genutzt.

Zur Erzeugung von einem Kilo Fleisch braucht man 7 bis 14 kg Futter. Vier Kilo Rindfleisch verbrauchen die gleiche Fläche wie 100 kg gleichwertige pflanzliche Proteine.


Das hat erheblichen Einfluss auf unseren ökologischen Fußabdruck. Der eines Menschen in Deutschland beträgt ca. 5 ha pro Jahr, bei gleicher Verteilung der Erdoberfläche hätte jeder von uns eigentlich aber nur 1,8 ha zur Verfügung. Wir leben in Deutschland also buchstäblich auf ziemlich großem Fuße.

Jeder produziert dabei ca. 2 t CO2-Äquivalent. Dieses entsteht bei der Produktion und beim Konsum, also durch Einkauf, Lagerung, Kochen und Müll. Bei einer flexitarischen Ernährung (mit wenigen tierischen Produkten ab und zu) kann man den eigenen Flächenbedarf um 18%, bei einer veganen Ernährung sogar um 50% reduzieren. Das bedeutet 27% bzw. 48% weniger CO2-Äquvalent auf seinem eigenen ökologischen Fußabdruck bezogen auf die Ernährung !

Der Anbau von Pflanzen zum direkten Verzehr verbraucht nun mal ein vielfaches weniger Energie und Wasser und bedeutet mehr nutzbare Kalorien pro Fläche. Was und wie viel wir essen und was und wie wir Einkaufen hat somit auch großen Einfluss auf das Klima.


Ein weiteres Umweltproblem ist die Erzeugung von Feinstaub. Dabei ist nicht der Verkehr, sondern die Landwirtschaft und dort besonders die Tierhaltung mit 45% die größte Feinstaubquelle. In Deutschland sterben pro Jahr 120.000 Menschen vorzeitig an Feinstaub, genauso viele wie durchs Rauchen.


Um die Beschlüsse des Weltklimagipfels 2015 zu erreichen, die für Deutschland eine Reduktion der Klimagase um 90-95% bedeuten, ist deshalb ein Wandel in der Landwirtschaft zwingend nötig. Ohne diesen Wandel und eine radikale Ernährungswende wird dies ebenso wenig erreicht werden wie die SGDs (sustainable developement goals) für eine nachhaltige Entwicklung der Agenda 2030 der UN.


Unsere Ernährung hat aber nicht nur weitreichende Folgen für Umwelt und Klima, für die Wild- und Nutztiere und auch für die Menschen, die in diesem System arbeiten, sondern auch für unsere Gesundheit .

Zu viel und zu ungesund zu Essen bedeutet ein größeres Gesundheits- und Sterberisiko für jeden von uns als Alkohol-, Drogen- und Tabakkonsum zusammen. Die ernährungsbedingten Krankheiten belasten dazu auch noch unser Gesundheitssystem erheblich. Gleichzeitig haben 820 Mio. Menschen weltweit zu wenig Nahrung.


Noch einmal deutlich gesagt : unseren heutigen Einkaufs- und Essgewohnheiten bedrohen langfristig Gesundheit und Umwelt, vermehren die Gefahr von Zoonosen wie SARS oder Corona, Verursachen Antibiotikaresistenzen, Verschmutzen unser Wasser, Zerstören den Urwald, Fördern das Artensterben und Bedeuten für Millionen Nutztiere ein äußerst qualvolles Leben und Sterben in der Massentierhaltung bzw. Fleischproduktion.


Das Umweltbundesamt sagt dazu, dass es die rechnerisch einfachste Lösung wäre, wenn alle Menschen sich ab sofort vegan ernähren würden.


Ich habe darüber nachgedacht, den Artikel mit dieser Aussage enden zu lassen.

Ich fürchte nur, dass eine Welt voller Veganer zwar erstrebenswert sein mag, aber auch relativ unrealistisch.

Zum Glück gibt es anscheinend auch noch eine andere, für viele praktikablere Lösung.


Die EAT-Lancet Commission hat nämlich zur Lösung all dieser Probleme die Planetary Health Diet (PHD) entwickelt.

Sie soll die Gesundheit des Menschen und der Erde gleichermaßen schützen und sieht eine verbesserte Nahrungsmittelproduktion innerhalb der planetaren Belastungsgrenzen vor, die Reduzierung von Lebensmittelabfällen und eine Ernährung, bei der es machbar ist, in 2050 die 10 Milliarden Menschen gesund satt zu machen, die dann schätzungsweise auf der Erde leben werden.

Dazu ist es nötig, vor allem saisonale, regionale, biologische und so wenig verarbeitete Lebensmittel wie möglich einzukaufen. Und zwar nur so viele, wie man auch verbraucht, damit möglichst keine Nahrung im Müll landet. Außerdem soll der Konsum von tierischen Produkte verringert werden.

Global sollte doppelt so viel Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte und Nüsse gegessen werden und dafür nur halb so viel rotes Fleisch und Zucker. Das heißt, in Deutschland müsste sich dessen Konsum um das 10fache reduzieren !


Für jeden Menschen bedeutet das, dass er/sie maximal diese Mengen folgender Produkte pro Tag essen sollte :

31g Zucker, 14g rotes Fleisch, 29g Geflügel, ¼ Ei, 28g Fisch und 250g Milch.

Pro Woche wäre das ungefähr :

1 x Fisch, 1 x Geflügel, 1-2 Eier und alle zwei Wochen ein Stück rotes Fleisch oder zwei mal pro Woche 50g Wurst.


Für viele stellt das eine große Veränderung ihrer Ernährungsgewohnheiten dar. Aber jeder kann damit täglich einen echten Unterschied machen im Kampf gegen Umweltzerstörung und Klimawandel.

Und das lohnt sich. Wir gewinnen dadurch auch mehr Gesundheit, weniger Hunger, weniger Tierleid, weniger Treibhausgase und mehr Umweltschutz. Und damit letztendlich eine Zukunft für uns selbst, unsere Kinder und die kommenden Generationen.


Quellen : Greenpeace, WWF, Bundeszentrum für Ernährung, ökotest.de, das Erste, vegane-gesellschaft.de, vegane.org, veganworld


Wildkräuterliebe

27.06.2020

Ein Appell für Giersch, Brennnessel und Co.


Die Hauptnahrung des Menschen waren seit jeher Wildpflanzen.

Selbst wenn auch Nüsse, Samen, Wurzeln, Eier und Fleisch gegessen wurden, bestand der Hauptteil der Nahrung doch aus wilden grünen Pflanzen und Baumblättern. Heute dagegen nimmt Grünzeug meist nur einen sehr kleinen Teil unserer Nahrung ein.


Wildpflanzen enthalten dabei viel mehr wertvolle Mineral- und Vitalstoffe als Kultursalate, bei deren Züchtung es in erster Linie um Aussehen und Haltbarkeit geht und weniger um Inhaltsstoffe. Hinzu kommen noch synthetische Dünger, chemische Pflanzenschutzmittel, ausgelaugte Böden und lange Transpor- und Lagerzeiten. Dies alles verringert den Vital- und Mineralstoffgehalt noch zusätzlich.

Unser Körper kennt, erwartet und braucht die Inhaltsstoffe, die die Wildpflanzen bieten, jedoch immernoch. Zum Beispiel Cellulose als Ballaststoff, Chlorophyll und Eisen zur Blutbildung, Bitterstoffe für die Verdauung, Folsäure für Nerven und Psyche und Vitamine für sämtliche Stoffwechselprozesse.

Zudem liefern Wildkräuter uns wertvolle Omega-3-Fettsäuren und tragen so zu einem gesunden Herz-Kreislauf-System und zu einer guten Konzentrations-, Reaktions- und Merkfähigkeit bei, sowie zu einer gesunden Psyche.

Und obwohl wir unseren Körper meist nur unzureichend mit diesen Stoffen versorgen, weil sie in unserer normalen Nahrung nun mal nur noch in unzureichenden Mengen vorkommen, erwarten wir von Ihm doch täglich Höchstleistungen und zudem Gesundheit.


Wildkräuter enthalten auch reichlich Kalzium, Kalium und Natriumchlorid und schmecken deshalb deutlich salziger als Kulturpflanzen. Unsere Vorfahren konnten mit ihrer Hilfe auch ohne Salz aus dem Salzstreuer und salzigem Fisch, den es ja nur in Küstenregionen gab, überleben. Wir können zumindest unseren Salzkonsum mit der Hilfe von Wildkräutern reduzieren.


Übrigens haben auch Milchprodukte und Fleisch von Tieren, die Kräuter, Gras und Blätter fressen, deutlich mehr Vitalstoffe und Omega-3-Fettsäuren als Tiere, die artfremd mit Getreide und Soja ernährt werden, was sogar aromatisiert werden muss, damit die Tiere es überhaupt anrühren. Es wird bei diesem Futter  auch künstliches Vitamin B12 zugefügt, damit das Fleisch und die Milch diesen wichtigen Nährstoff überhaupt enthält.

Es liegt also auch in unserem eigenen Interesse - im Interesse der Tiere sowieso - wie Nutztiere gehalten und ernährt werden.


Die Natur schenkt uns alles, was wir brauchen, in der für uns idealen Zusammensetzung. Damit wir dieses Geschenk auch nutzen können, sollte unsere Nahrung so wenig verarbeitet wie möglich sein.

Denn eigentlich sind wir ein Teil der Natur - auch wenn wir das heute meist nicht mehr so empfinden - und unsere Körper sind auf natürliche Nahrung eingestellt, darum bieten Wildkräuter die ideale und zudem auch noch kostenlose Ergänzung zu unserem Speiseplan.

Und ausserdem sind Rezepte mit Wildkräutern richtig lecker.


Kleine, unvollständige Liste beliebter Wildkräuter :

Brennnessel, Löwenzahn, Giersch, Gänseblümchen, Vogelmiere, Knoblauchsrauke, Bärlauch, Gänsefingerkraut, Rote Taubnessel, Wegerich, Hirtentäschel, Schafgarbe, Gundermann, Weiss-Klee, Wiesenbärenklau, Dost

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